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Die Lüge aus sprachwissenschaftlicher Sicht
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Linguistik der Lüge (Taschenbuch) Das Phänomen der Lüge ist so alt wie die Geschichte der Sprache selbst. War die Lüge bisher ein Untersuchungsgegenstand für Philosophie oder Psychologie, so wendet sich Harald Weinreich diesem (sprachlichen) Phänomen von Seiten der Linguistik, also der Sprachwissenschaft, zu. Seine kleine Abhandlung ist die Antwort auf die von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgeschrieben Frage: Kann Sprache die Gedanken verbergen? - Eine Abhandlung, die den ersten Platz belegte.
In Weinreichs Analyse wird nicht nur dem Bedeutungsumfang des einzelnen, isolierten Wortes nachgespürt, sondern auch seiner Bedeutung im Satzgefüge oder gar im Kontext eines ganzen Textes.
Dieses kleine Büchlein dürfte all denjenigen einige interessante Lesestunden bereiten, die sich der Lüge einmal nicht klassischerweise über die Frage der Moral, sondern von ihrer sprachwissenschaftlichen Seite aus nähern wollen. Natürlich kommt eine solche linguistische Betrachtung nicht umhin, auch die Lügensignale der Sprache - also jene Eigenheiten, mit denen ein Lügner seine Lüge als Lüge deklariert (bspw. bei der Ironie) - zur Sprache zu bringen.
Doch ganz so isoliert ist auch Weinreichs Analyse nicht. Er präsentiert dem Leser auch philosophische Perspektiven und greift dabei weit zurück in der Zeitgeschichte; bis hin zu Sokrates. Daneben zeigt Weinreich ausführlich, dass Dichtung sich nicht einfach als Lüge abstempeln lassen muss, wie dies gerne durch Kritiker geschieht.
Ein rundherum gelungener Essay, der sich mit einem Phänomen beschäftigt, wie es uns tagtäglich begegnet, ohne dass wir es so recht erfassen könnten. Dieses Büchlein öffnet die Augen, die Aussagen unserer Gegenüber etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass an manchen Stellen etwas mit pragmatischen und illustrativen Zugängen gespart wurde. Teilweise wünscht man sich noch ein konkreteres Beispiel. Doch dies kann Angesichts der Klasse der Thematik und ihrer sprachlichen Umsetzung gerne verziehen werden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Mai 2010 | | |
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