|
|
|
| |
Die definitive Jahrhundertbox für eine Legende des Jazz
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: The Complete Library of Congre (Audio CD) Die 1938 entstandenen 'Library of Congress' Aufnahmen von Jelly Roll Morton sind - neben dem einzigen überlieferten Foto von Buddy Bolden - so etwas wie die Qumran-Rollen des Early Jazz. Zugleich stellen sie, zumindest in den Augen des seinerzeitigen Kulturarchivars und Interviewers Alan Lomax, die Geburtsstunde der "oral history" dar - und überdies in vielen Teilen der musikalischen Darbietungen sehr hörenswert. - Für Folk und Blues-Fans gleichermaßen wie für Freunde des traditionellen Jazz, insbesondere natürlich für Freunde des Piano Jazz und ganz speziell des selbsternannten "Erfinders des Jazz", Jelly Roll Morton. Über die Musik und die Interviews Näheres ausführen zu wollen, dafür haben andere ganze Seminare und Bücher gebraucht. Daher ist dies auch hier nicht in Kürze sinnvoll. Grundsätzlich handelt es sich um (vergleichsweise primitiv aufgenommene) Live-Mitschnitte von Interviews mit Musikbeispielen, wie sie seit Anfang der 30er von der Library of Congress quer durch das Land mit verschiedensten professionellen Künstler und schlichten Interpreten von (schwarzem) Volksgut aufgezeichnet und später auf Folkways und anderen Labels veröffentlicht wurden. Das besondere an Mortons Aufnahmen ist, dass sich in den zwischen Mai und Dezember 1938 in vielen Stunden aufgezeichneten Sessions kein Interview und keine Aneinanderreihung von persönlichen Hits der Vergangenheit ergibt, sondern eine ganz eigene Darbietung von getragener, häufig musikalisch untermahlter und von Lomax nur sehr selten unterbrochener Erinnerung an die ganz frühen Jahre des Jazz, die eine einzigartige Skizze dieser Jahre und der musikalischen Entwicklung, keinswegs nur des persönlichen Werdegangs des Protagonisten, in einer eigenen kleinen Kunstform liefert. (Die Album-Werbung spricht vom "Big Bang" des Jazz - leider ist diese Metapher völlig ungeeignet für die evaluative Entstehung des Jazz.)
Doch auch die Musikanteile bieten ihren eigenen Reiz: Nie anderswo gehörte Ragtimes, Stomps und Blues sind hier von Morton in die Tonkonserve und damit ins kulturelle Bewusstsein hinübergerettet worden, ebenso beeindruckende Imitationen längst vergessener Heroen des Piano-Jazz und ihrer individuellen Stilistik. Besonders eindrucksvoll sind jene Sequenzen, in denen "Professor" Morton doziert und aufzeigt, wie aus einer Quadrille, aus La Paloma und aus "Stars and Stripes" Jazz entsteht - hier wird belegbar, dass er die erste Persönlichkeit mit Selbstbewusstsein und Selbstverständnis als Jazz-Musiker und -Komponist war. Und schließlich bieten diese Sessions eine in seinen sonstigen Aufnahmen eher unterrepräsentierte und daher gemeinhin unterschätzte Seite: den Sänger Jelly Roll Morton.
Bis in die späten 40er Jahre hinein war dies eine einzigartige Quelle der Jazz-Historie, die auch auszugsweise in eine Buchveröffentlichung Lomax' über Morton einging.
Seit 1947 sind diese Aufnahmen immer wieder in Auszügen, z.T. in ihrer Reihenfolge pseudo-korrigiert und tontechnisch verschlimmbessert, auf LP veröffentlicht worden. Auch 2 CD-Editionen gibt es schon: eine noch nicht tonhöhen-adjustierte Ausgabe der Essentials auf Affinity 1991 (3-CD), und eine Komplettausgabe aller Musiktitel, bereits umfassend nachbearbeitet, auf 4 CDs von Rounder 1995.
Was liefert die vorliegende Box nun mehr?
1. Nach der Musik ist nun erstmals auch das komplette Interview vollumfänglich veröffentlicht worden; insgesamt kommt man damit auf 7 CDs.
2. Die Möglichkeiten der digitalen Nachbearbeitung sind in Bezug auf Störgeräusche und falsche Tonhöhen wirklich in brillianter Weise ausgereizt worden.
3. Das Album liefert darüber hinaus eine 8. CD mit thematisch verwandten Aufnahmen und Interviews - und (eine wirkliche Besonderheit) eine 244 Seiten starke PDF-Datei, die neben Bildern und Informationen erstmals das komplette, korrigierte Transkript des LoC-Interviews von Morton enthält!
Zusätzlich gibt es noch ein umfangreiches Booklet mit vielen Informationen sowie als Zugabe die Neuausgabe des legendären Buchs von Lomax über Morton und diese Interviews, versehen mit einem den aktuellen Stand der Morton-Forschung darstellenden Nachwort des Morton-Experten L.Gushee. Und schließlich noch die einmalige Optik dieser in Konzertflügel-Form gestalteten Box...
Kurz: Für Jazz-Experten und soziomusikwissenschaftlich Interessierte ein Muss - und für die Aufbereitung der Box-Ausgabe müsste man eigentlich einen sechsten Stern vergeben dürfen.
PS: Mehr Information zum Album und umfangreiche Anspielmöglichkeiten gibt es im Web direkt bei Rounder; eine Fülle von Infos und auszugsweise Transkripte findet man unter der Monrovia Sound Studio Homepage.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Februar 2006 | | |
| | | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
| |
Angebote zu , , ab 1 Euro!
|
| Sonstige Artikel: |
|
| Bewerbungskonzepte für Führungskräfte: Effektive Stellensuche - Wirkungsvolle Selbstpräsentation Murphy (Calder modern classics) Einmal verrückt sein: Zweieinhalb Jahre Weltreise von Daniela und Volker Effenberger
|
| | Mehr zu Blues, Jazz, Pop
|
| | Home ..., , Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von |
Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |